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August 2021

Route 27

Neulich in den Dolomiten – Route 27

Im Juli 2021 waren Thomas und ich für eine Woche an den Drei Zinnen klettern. Es war eine schöne Woche mit vielfältigen Erlebnissen. Über das Erlebnis „Catwalk“ habt ihr eventuell an dieser Stelle gelesen.

In dieser Kletterwoche haben wir viele Leute kennengelernt. So auch vier Bergfreunde aus den Lienzer Dolomiten. Wanderkarten und Kletterführer lagen abends in der Auronzohütte auf deren Tisch. Dies erweckte Neugierde. Die vier möchten, wie wir, eine Woche in dem Gebiet der Drei Zinnen verbringen. Zwei sind Kletterer und haben die Dülfer auf die Große Zinne als Ziel, die anderen beiden sind Freunde der Klettersteige.

Am nächsten Tag treffen wir die beiden Kletterer beim Zustieg zu unserer Kletterroute auf den Il Mulo - https://www.alpenvereinaktiv.com/de/tour/il-mulo-mazzorana-fuehre-ostwand/60754437/.

Wir werden gefragt, ob dies der Weg zu Route 27 sei. Route 27 kennen wir nicht. Wir erfuhren, dass dies eine Route auf die Große Zinne sein soll. Die beiden suchten den Einstieg zur Route 27. Auf die Frage, wie denn die Route heißt und an welcher Bergseite sie sich befindet, kam lediglich die Antwort, Route 27 aus dem Kletterbuch.

Abends kamen wir in der Hütte mit den vier Bergfreunden ins Gespräch. Wir erfuhren, dass die beiden Kletterer nach zwei Stunden - Suche nach dem Einstieg der Route 27 - aufgegeben haben und nicht geklettert sind.

Sie zeigten uns in ihrer Kletterliteratur die Route 27. Es ist der Mosca-Kamin der über die Südwestseite in 550 Klettermeter auf die Große Zinne führt. Beide haben sich die Route 27 ausgesucht, da sie den III. Schwierigkeitsgrat nicht überschreitet. Die Beschreibung des Einstiegs ist rudimentär gehalten, ein Topo gibt es nicht, lediglich ein Bild des oberen Teils der Route. Beide berichten ausgiebig von ihrer Suche nach dem dreieckigen Vorbau an der Südwestwand und der Schwierigkeit die Beschreibung aus der Literatur in der Natur umzusetzen.

Einer der Klettersteiggeher teilt mit, dass er den beiden über die Schwierigkeit der Routenfindung im alpinen Gelände im Vorfeld berichtet hätte, zumal die beiden noch nie eine Mehrseillängenroute geklettert sind. Tatsächlich kennen die beiden nur den Klettergarten in den heimischen österreichischen Bergen. Dort würden sie im sechsten Grat klettern. Sie wären frustriert, dass sie noch nicht einmal den Einstieg gefunden hätte.

Bei einem Bier lässt sich die Motivation der beiden heben. Gerne bekommen sie von uns Tipps über das richtige Klettergebiet, einschlägige Kletterliteratur, die Routenwahl in Kombination mit den eigenen Fähigkeiten und persönlichen Erfahrungen sowie der Schwierigkeitsbewertung in den Dolomiten im Vergleich zu anderen Klettergebieten im Zusammenhang mit dem Zeitmanagement

Aufgrund der diesjährigen Schneesituation möchten beide am nächsten Tag den Normalweg auf die Große Zinne klettern, der Einstieg ist leicht zu finden, die Kletterschwierigkeiten sind moderat. Die Kletteroute ist zwar sehr lang, kann jedoch jederzeit abgebrochen werden.

Bei unserem Zustieg zur Kleinen Zinne - https://www.alpenvereinaktiv.com/de/tour/kleine-zinne-normalweg-cima-piccola-di-lavaredo-via-normale/60478767/ - kommen wir am nächsten Tag am Einstieg des Normalweges auf die Große Zinne vorbei. Hier werden wir von den beiden Kletterern freudig begrüßt. Von unserer Tour können wir die beiden im unteren Teil ihrer Route sehen, sie kommen zügig voran.

Abends dann die Ernüchterung. Die zwei Kletterer berichten von ihren Schwierigkeiten bei der Suche nach Sicherungspunkten und der Umsetzung des Topos in der Realität. Sie haben die Route abgebrochen.

Die vier Bergfreunde entscheiden neu und fahren zum Gardasee. Dort hoffen sie, dass die Routenfindung durch die sichtbaren Bohrhaken einfacher sei als im alpinen Gelände. Aber auch wir hatten in diesem Jahr unsere Schwierigkeiten. Bei der überraschenden hohen Schneelage in den Zu- und Abstiegen mussten wir unsere gesamte alpine Erfahrung einbringen, die uns auch zum Umdenken in der Routenwahl veranlasst hat.

Oliver Knorre


Drei Zinnen vom Paternsattel aus klein

Juli 2021

Neulich in den Dolomiten – Treffpunkt Drei Zinnen

Im Juli 2021 war ich zusammen mit Thomas für eine Woche an den Drei Zinnen klettern. 20 Jahre habe ich dieses UNESCO Weltnaturerbe nicht mehr besucht. Die Gebirgsgruppe habe ich wieder erkannt, über die täglichen Gepflogenheiten war ich erstaunt.

Der breite Schotterweg von der Auronzohütte über die Lavaredohütte, Paternsattel zur Drei Zinnen Hütte hat sich in den Jahren auch nicht verändert, jedoch deren Besucher.

Jeden Morgen ab 07.30 Uhr rauschen PKW und Motorräder die Mautstraße hoch und bekommen einen  Parkplatz rund um die Auronzohütte zugewiesen. Manche Autofahrer interessiert dies nicht.  Einer parkt seinen SUV in zweiter Reihe unmittelbar vor der Hütte, steigt mit der gesamten Familie aus und lässt andere an ihrer Unterhaltung teilhaben. Rund 35 Wohnmobile bilden mit viel Fantasie eine fast institutionelle Wagenburg.

Je weiter der Tag voran schreitet umso voller, bunter und internationaler wird es auf dem Wanderweg 101. Motorradfahrer tragen in Motorradkluft ihren Helm sparzieren. Eine Frau trägt im Wickeltuch ihren Hund über den Catwalk. Ein Pärchen fragt auf dem Paternsattel in Englisch, ob hier ein Restaurant wäre. Viele Menschen sind gekleidet wie in einer Großstadt, feine Lederschuhe mit glatter Sohle.  Es hat geregnet, Pfützen stehen auf dem Catwalk. Ein Kind sagt zu seinen Eltern, dass seine Schuhe dreckig werden. Der Catwalk ist überlaufen und laut. Drohnen schwirren in der Luft. Viele unterhalten sich mit ihrem Handy.

Unser Blick richtet sich nach oben. An der Südwand der Kleinen Zinne erkenne ich im Gegensatz zum überfüllten Catwalk „Exoten“. Fast jeden Tag klettern hier dieselben Seilschaften „Ötzi triff Yeti“ und die „Gelbe Mauer“. Es scheint als bouldern sie die extrem schweren Kletterouten im oberen achten Grad aus. Jeden Tag kommen sie ein Stück weiter nach oben. Auch bei unseren Kletterrouten treffen wir Gleichgesinnte. Ich schöpfe Hoffnung.

Am letzten Klettertag werden wir auf dem Catwalk durch Rafael angesprochen. Rafael klettert sonst in Kalifornien und ist gerade an den Drei Zinnen angekommen. Er selber klettert zwar im sechsten, sucht  aber für seine Freunde eine Klettertour im zweiten bis dritten Grad. Er fragt uns ob wir den Normalweg auf die Westliche Zinne kennen würden. Wir teilen ihm unsere diesjährige Erfahrung beim Abstieg der Route mit, dort liegt so viel Schnee in den Scharten auf dem Normalweg der Westlichen Zinne, teilweise bis zu drei Meter hoch, das der Abstieg deutlich schwieriger und zeitintensiver ist. Alternativ schlagen wir ihm den Südgrat auf die Große Zinne vor. Dieser hat den Vorteil, dass er an mehreren Stellen abgebrochen werden kann und im unteren Teil nicht über den dritten Schwierigkeitsgrad hinausgeht; es liegt dort auch kein Schnee. Rafael bekommt den Link aus alpenvereinaktiv.com. Zufällig führt unser Weg am Einstieg des Südgrates vorbei, so dass uns Rafael ein Stück begleitet. Am Abend kommen wir ins Gespräch. Rafael hat südlich der Marmolada ein Haus gekauft. Ihm schwebt für ein Jahr ein „climbing house“ vor, Leute kommen, übernachten und klettern mit ihm.

Der Catwalk ist mittlerweile leer gefegt, die Sonne geht unter und strahlt die umliegenden Gipfel an. Wolken sinken in die Täler. Ruhe kehrt an den Drei Zinnen ein.

An unserem letzten Abend treffen wir ein schwedisches Kletterpärchen. Beide sind an diesem Tag aus Luxemburg angereist, haben am Abend noch die ersten beiden Seillängen der Gelben Kante geklettert. Am nächsten Tag möchten sie die Klettertour vollenden.

Es gibt sie also doch noch, Kletterer, Wanderer, Bergsteiger die den Catwalk als Wanderweg nutzen. Zufrieden mit unseren Klettertouren, Erlebnissen und Berggeschichten treten wir unseren Heimweg an.

Oliver Knorre